Manche Frauen bekommen Blumen zum Frauentag, vor allem in Osteuropa. Das finden Fleurop & Konsorten eine ganz tolle Idee. Manche Frauen wollen aber keine Blumen, z.B. weil sie die billig verschenkten Rosen an die Arbeitsbedingungen der Mädchen in den Blumenfabriken erinnern, wie sie etwa der Film "Maria voll der Gnade" vor ein paar Jahren eindrucksvoll dargestellt hat. Manche Frauen wollen am Internationalen Frauentag lieber an ihre Rechte erinnern.
Viele Medien haben sich auch des Weltfrauentags angenommen und stellen die Frage nach
Frauen und Macht.
Dabei kommen sie aber zu ziemlich unterschiedlichen, um nicht zu sagen widersprüchlichen Erkenntnissen: Sylvie Kauffmann von der französischen
Le Monde meint, die aktuelle Politikerinnen-Generation mache ihre Weiblichkeit zum Trumpf, während Dirk Knipphals in der Berliner
tageszeitung Angela Merkel als Beispiel "für Abrüstung in Sachen Geschlechtlichkeit"
anführt und die Vielfalt heutiger Machtfrauen behauptet. In der öffentlichen Wahrnehmung kommen Frauen allerdings immer mehr als Frau an denn als Individuum, argumentiert der spanische Philosoph Daniel Innerarity unter Berufung auf die französische Forscherin Michelle Perrot in
El Paìs.
Wenn Frauen allein durch ihre individuellen Eigenschaften nicht genug zur Geltung kommen, scheint die umstrittene "affirmative action" durch Quoten et cetera auf einmal wieder ganz angebracht. Das haben sich wohl auch die Weblogs Genderblog und netbib gedacht, die heute kurzerhand NUR Beiträge von Frauen veröffentlichen. Ganz so radikal wollte zeit.de nicht sein - oder vielleicht noch radikaler? Jedenfalls erklärte die Redaktion im guten alten Kennedy-Stil: "Wir sind weiblich", zumindest "für einen Tag", und bemühte sich, durch die Bebilderung der aktuellen Artikel und "weibliche" Substantive in den Schlagzeilen die Perspektive von uns Frauen einzunehmen. Nur beim Surfen fällt überhaupt nichts davon auf! "Substantivinnen" sind also auch nur Substantive ...und Frauen auch bloß Menschen.